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Teil1
Was für ein Jahr. Ein Jahr ohne Sommer aber mit wenig Regen. Ein
Jahr, das mit mehrmaliger Blaualgen"blüte" und lang anhaltender
Krimelmückenplage Besucher, Segler und Anwohner nervte. Gestank und
Badeverbote, Mückenverschmutzte Segel und Kleidung und nicht zu vergessen
mehr als 10 Tonnen erstickter Fische. Die Betroffenen wurden zunehmend
sauer.
Bereits im Frühjahr hatte eine wissenschaftliche Tagung darauf hingewiesen,
dass die Nährstoffeinträge für dieses Wassersystem Dümmer
einfach zu gewaltig ist. Dabei wurde ebenfalls bekannt, dass
a) Nährstoffe, die nicht aus tierischen Abfällen stammen, nicht
unter die "Gülleverordnung" fallen und
b) die Anwendung der "Gülleverordnung" auch nicht überwacht
wird.
Alle Wissenschaftler waren sich darüber einig, dass die Einleitung
der Nährstoffe drastisch reduziert werden muß und dass die
Einrichtung eines bereits 1983 geforderten Schilf Großpolders dringend
erforderlich sei.
Aufgrund der oben geschilderten stinkenden Tatsachen, begannen die Betroffenen,
die Politik zu nerven. Nahezu alle Segel-Vereine schrieben, unterstützt
durch den Vorsitzenden des niedersächsischen Segler-Verbands, Protestschreiben
an die verantwortlichen Ministerien und den Ministerpräsidenten.
Gleichzeitig begannen die touristischen Unternehmen damit, Unterschriftenlisten
auszulegen, in denen die Regierung zum Handeln aufgefordert wurde.
Inzwischen hatte es auch in der Kreisstadt angefangen zu stinken. Aufgrund
des Wassermangels in der unteren Hunte, musste über die Lohne Wasser
aus dem Dümmer abgegeben werden. Diese Blaualgensuppe floss also
mitten durch die verschlafene Kreisstadt und das stank allen Diepholzer
Bürgern.
Damit hatten also alle 3 Hauptgemeinden Damme, Lemförde und Diepholz
mehr oder weniger mit den Dümmerplagen zu kämpfen und die Bürgermeister
schrieben ihrerseits gemeinsam ebenfalls an die Regierenden dieses Landes.
In der Zwischenzeit waren auch die Regionalen Zeitungen, Rundfunkanstalten
und auch diverse Fernsehsender in die ausführliche Berichterstattung
eingestiegen.
Teil2
So viele Schreiben, so viele negative Berichte und dann auch noch die
Androhung einer Klage vor dem europäischen Gerichtshof durch die
Interessengemeinschaft. Das stinkt dann auch jeder Regierung.
In der Folge bekamen alle Briefschreiber die Antwort, dass die Regierung
etwas tun will. Also kamen die beiden Stellvertreter der Minister für
Landwirtschaft und des Umweltministers. Alle möglichen Menschen durften
dann persönlich ihre Sorgen vortragen und ein Blick auf den See bewog
dann die beiden Stellvertreter zu dem Hinweis, dass sie in wenigen Wochen
zu einer Besprechung mit allen betroffenen Interessengruppen zurückkehren
würden.
Dann kam das zweite Stellvertretertreffen, unterstützt durch Wasserbaubehörden-Vertreter
und den Interessengruppen. Das Ergebnis, es wird ein Beirat vorgeschlagen,
der einen 16 Punkte Plan abarbeiten soll bis Dezember 2013 und außerdem
die Bereitstellung von insgesamt 2 Mio. € für Entschlammung
bis 2014.
Dafür soll ein Beirat aus den betroffenen Verbänden mit ca.
15 Personen gebildet werden. Aufgabe dieses Beirates: Information nach
außen und Beratung der Umsetzer bzw. Planer, aber ohne Einflussmöglichkeiten
auf die Umsetzung!
Auftritt des Regionaldirektors vom Landesamt für Geoinformation
und Landentwicklung Niedersachsen/ Sulingen. Also er hat sich inzwischen
überlegt, welche Verbände für so einen Beirat in Frage
kommen:
Fischerei / Landwirtschaft / Tourismus / Wasserwirtschaft Naturschutz
/Kommunen / Öffentlichkeitsarbeit
Also, wem jetzt was fehlt.... Segler sind auch Tourismus. Irgendwie werden
dann tatsächlich in einem wilden Geschacher Namen und Besetzungen
vorgenommen. Ach ja, beinahe hätten wir vergessen, dass auch Diepholz
im Beirat sein soll, und Damme und die Landwirtschaft aus... und auch
aus... und dann sollte doch auch....
Fazit dieser Veranstaltung: Die Besetzung dieses Beirates ist
mehrheitlich bestimmt von Personen, die entweder mittelbar oder unmittelbar
vom Land abhängig sind. Die Vertreten des Naturschutzes NUVD und
NARI werden ebenso aus Landesmitteln finanziert wie die städtischen
Angestellten, die die Gemeinden vertreten oder die Angestellten der landeseigenen
Behörden vom NLWKN oder LGLN. Ohne dass man hier jemand direkt verdächtigen
kann, bleibt das Unbehagen.
Teil3
Nur wenige Tage nach dem ersten Treffen des zuvor benannten Beirates
wird ein Segelvereins-Vorsitzender von einem Landtagsabgeordneten angerufen,
dass das Land 15 Mio € für das Schilfpoldersystem bereitstellt.
Einen Tag darauf stehen auch entsprechende Berichte in den regionalen
Zeitungen rund um den Dümmer.
Alle freuen sich, dass endlich etwas geschieht und die Protest-Arbeit
erste Früchte zeigt. Aber damit ist das Märchen doch noch nicht
am Ende.
Anmerkung
Das ist alles ja ganz toll, ist aber nur ein Versprechen.
Zwischen den Zeilen konnte man auch heraushören, dass die Behörden
sich Gedanken darüber machen, über mögliche Einnahmen
bei den Betroffenen (Erhöhung der Nutzungsgebühren u.ä.).
In den vergangenen 28 Jahren hatte es bereits mehrfach solche Ankündigungen
bezüglich Schilfpolder oder Bornbachumleitung gegeben. Immerhin wurde
der Bornbach mit zwei zeitlichen Verzögerungen ca . 10 Jahre nach
der 2. Ankündigung umgesetzt.
Der Glaube an die Politik versetzt eben keine Berge....soll heißen:
Wenn wir jetzt still halten, dürfen wir uns über neuerliche
Verzögerungen auch nicht beklagen. Euer aller Bereitschaft zur Teilnahme
an möglichen Aktionen ist daher auch weiterhin gefragt.
In dem Sinne schöne Feiertage und einen guten Rutsch
HaDi Hartmeier
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