Natur und Umwelt

Unser Engagement beim Naturschutz

Dümmermärchen 2011
Gestank, tote Fische...
Blaualgen gefährden Existenzen
Keine schnelle Lösung in Sicht
Konzertierte Aktion
WDR-Beitrag
Staat vernachlässigt Aufgaben
Dümmerschlamm
Umweltvereinigungen am Dümmer
Badewasserqualität in Niedersachsen


Bericht Westfalen-Blatt vom 2. Januar 2012

Ein Bericht aus dem Westfalenblatt zur Zukunft des Dümmers zum Download.


Das Dümmermärchen 2011

Teil1

Was für ein Jahr. Ein Jahr ohne Sommer aber mit wenig Regen. Ein Jahr, das mit mehrmaliger Blaualgen"blüte" und lang anhaltender Krimelmückenplage Besucher, Segler und Anwohner nervte. Gestank und Badeverbote, Mückenverschmutzte Segel und Kleidung und nicht zu vergessen mehr als 10 Tonnen erstickter Fische. Die Betroffenen wurden zunehmend sauer.

Bereits im Frühjahr hatte eine wissenschaftliche Tagung darauf hingewiesen, dass die Nährstoffeinträge für dieses Wassersystem Dümmer einfach zu gewaltig ist. Dabei wurde ebenfalls bekannt, dass
a) Nährstoffe, die nicht aus tierischen Abfällen stammen, nicht unter die "Gülleverordnung" fallen und
b) die Anwendung der "Gülleverordnung" auch nicht überwacht wird.
Alle Wissenschaftler waren sich darüber einig, dass die Einleitung der Nährstoffe drastisch reduziert werden muß und dass die Einrichtung eines bereits 1983 geforderten Schilf Großpolders dringend erforderlich sei.

Aufgrund der oben geschilderten stinkenden Tatsachen, begannen die Betroffenen, die Politik zu nerven. Nahezu alle Segel-Vereine schrieben, unterstützt durch den Vorsitzenden des niedersächsischen Segler-Verbands, Protestschreiben an die verantwortlichen Ministerien und den Ministerpräsidenten. Gleichzeitig begannen die touristischen Unternehmen damit, Unterschriftenlisten auszulegen, in denen die Regierung zum Handeln aufgefordert wurde.

Inzwischen hatte es auch in der Kreisstadt angefangen zu stinken. Aufgrund des Wassermangels in der unteren Hunte, musste über die Lohne Wasser aus dem Dümmer abgegeben werden. Diese Blaualgensuppe floss also mitten durch die verschlafene Kreisstadt und das stank allen Diepholzer Bürgern.

Damit hatten also alle 3 Hauptgemeinden Damme, Lemförde und Diepholz mehr oder weniger mit den Dümmerplagen zu kämpfen und die Bürgermeister schrieben ihrerseits gemeinsam ebenfalls an die Regierenden dieses Landes.

In der Zwischenzeit waren auch die Regionalen Zeitungen, Rundfunkanstalten und auch diverse Fernsehsender in die ausführliche Berichterstattung eingestiegen.

Teil2

So viele Schreiben, so viele negative Berichte und dann auch noch die Androhung einer Klage vor dem europäischen Gerichtshof durch die Interessengemeinschaft. Das stinkt dann auch jeder Regierung.

In der Folge bekamen alle Briefschreiber die Antwort, dass die Regierung etwas tun will. Also kamen die beiden Stellvertreter der Minister für Landwirtschaft und des Umweltministers. Alle möglichen Menschen durften dann persönlich ihre Sorgen vortragen und ein Blick auf den See bewog dann die beiden Stellvertreter zu dem Hinweis, dass sie in wenigen Wochen zu einer Besprechung mit allen betroffenen Interessengruppen zurückkehren würden.

Dann kam das zweite Stellvertretertreffen, unterstützt durch Wasserbaubehörden-Vertreter und den Interessengruppen. Das Ergebnis, es wird ein Beirat vorgeschlagen, der einen 16 Punkte Plan abarbeiten soll bis Dezember 2013 und außerdem die Bereitstellung von insgesamt 2 Mio. € für Entschlammung bis 2014.
Dafür soll ein Beirat aus den betroffenen Verbänden mit ca. 15 Personen gebildet werden. Aufgabe dieses Beirates: Information nach außen und Beratung der Umsetzer bzw. Planer, aber ohne Einflussmöglichkeiten auf die Umsetzung!

Auftritt des Regionaldirektors vom Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen/ Sulingen. Also er hat sich inzwischen überlegt, welche Verbände für so einen Beirat in Frage kommen:
Fischerei / Landwirtschaft / Tourismus / Wasserwirtschaft Naturschutz /Kommunen / Öffentlichkeitsarbeit
Also, wem jetzt was fehlt.... Segler sind auch Tourismus. Irgendwie werden dann tatsächlich in einem wilden Geschacher Namen und Besetzungen vorgenommen. Ach ja, beinahe hätten wir vergessen, dass auch Diepholz im Beirat sein soll, und Damme und die Landwirtschaft aus... und auch aus... und dann sollte doch auch....

Fazit dieser Veranstaltung: Die Besetzung dieses Beirates ist mehrheitlich bestimmt von Personen, die entweder mittelbar oder unmittelbar vom Land abhängig sind. Die Vertreten des Naturschutzes NUVD und NARI werden ebenso aus Landesmitteln finanziert wie die städtischen Angestellten, die die Gemeinden vertreten oder die Angestellten der landeseigenen Behörden vom NLWKN oder LGLN. Ohne dass man hier jemand direkt verdächtigen kann, bleibt das Unbehagen.

Teil3

Nur wenige Tage nach dem ersten Treffen des zuvor benannten Beirates wird ein Segelvereins-Vorsitzender von einem Landtagsabgeordneten angerufen, dass das Land 15 Mio € für das Schilfpoldersystem bereitstellt. Einen Tag darauf stehen auch entsprechende Berichte in den regionalen Zeitungen rund um den Dümmer.

Alle freuen sich, dass endlich etwas geschieht und die Protest-Arbeit erste Früchte zeigt. Aber damit ist das Märchen doch noch nicht am Ende.

Anmerkung

Das ist alles ja ganz toll, ist aber nur ein Versprechen. Zwischen den Zeilen konnte man auch heraushören, dass die Behörden sich Gedanken darüber machen, über mögliche Einnahmen bei den Betroffenen (Erhöhung der Nutzungsgebühren u.ä.). In den vergangenen 28 Jahren hatte es bereits mehrfach solche Ankündigungen bezüglich Schilfpolder oder Bornbachumleitung gegeben. Immerhin wurde der Bornbach mit zwei zeitlichen Verzögerungen ca . 10 Jahre nach der 2. Ankündigung umgesetzt.

Der Glaube an die Politik versetzt eben keine Berge....soll heißen:

Wenn wir jetzt still halten, dürfen wir uns über neuerliche Verzögerungen auch nicht beklagen. Euer aller Bereitschaft zur Teilnahme an möglichen Aktionen ist daher auch weiterhin gefragt.

In dem Sinne schöne Feiertage und einen guten Rutsch

HaDi Hartmeier


Gestank, tote Fische und die Fliegenplage, wie geht es weiter? Oktober 2011

Alles das was uns als Besucher, Nutzer, Anwohner oder auch als Gewerbetreibende nervt, wird sich nach den Berichten derjenigen, die sich mit den Ursachen befassen, nicht kurzfristig beheben lassen. Das ergibt sich als Ergebnis der Tagung vom 5.10. 2011 der Gebietskooperation Hunte im Schäferhof, bei der die Belastung der Hunte und des Dümmers behandelt wurde.

Die Gebietskooperation Hunte besteht aus den verschiedenen Unterhaltungs-verbänden der Hunte, vom Oberlauf bis zur Einmündung in die Weser bei Elsflet. Neben diesen Vertretern waren auch einige Wissenschaftler der Universitäten Oldenburg und Hannover sowie des NLWKN vertreten. Zur Herstellung der Öffent-lichkeitspflicht waren auch Vertreter der unmittelbar betroffenen Gemeinden Damme, Lemförde und Diepholz sowie der Umweltvereinigungen und der Interessen-gemeinschaft eingeladen.

Der NLWKN zeigte in einer sehr guten und analytisch hervorragend aufbereiteten Darstellung die Abhängigkeiten der Wasserqualität durch die verschiedenen Jahreszeiten, Wetterbedingungen wie Temperaturen und Wassermengen. Ebenso wurden dabei auch die Auswirkungen in Abhängigkeiten von Unterwasserpflanzen und Fischmengen aufgezeigt. Also was wir schon immer vermuteten: Fische sind Larvenfresser und Pflanzen sind Nährstoffvernichter. Da aber kaum noch Fische vorhanden, entwickelt sich die Fliegenplage explosionsartig. Die Menge der Nährstoffe ist aber derartig hoch, dass die Pflanzen auch unter günstigen Bedingungen diese Mengen nicht beherrschen können.

Als Einleiter der Nährstoffe wurde von allen Anwesenden die intensive Landwirtschaft benannt. Dabei wurden verschiedene Ursachen angesprochen:

  1. Die Gülleverordnung gilt lediglich für tierische Exkremente, chemische Düngemittel oder Gärreste aus z.B. Biogasanlagen fallen nicht darunter.
  2. Ein sogenanntes Güllekartaster existiert nur in den nördlichen Gebieten der Hunte, eine klare Nachweiskontrolle kann jedoch auch generell nicht garantiert werden. Wir alle kennen doch die Riesengülletanker, die aus dem vechteraner Gebiet ihre Gülle über Lembruch in dem lemförder Bereich entsorgt.
  3. Kontrollen in den bewirtschafteten Gebieten bezüglich der Einhaltung der Mindestabstände zu den Gewässern ist eher zufällig als die Regel.
  4. Diese Mindestabstände verringern sich in Abhängigkeit von der Gewässerklasse oder eben auch durch den bewirtschaftenden Betrieb, der bis an den Rand des Gewässers wirtschaftet.
  5. Die Hunte hat ihren Flusscharakter ab Bramsche ebenso eingebüßt wie seine Zuflüsse. Alles kanalisiert, um das Wasser und seine Inhalte schnell zu entsorgen.

Anders als in einem Fluß, der die Schadstoffe durch seine Fliessgeschwindigkeit "entsorgt" verhält es sich in einem See wie dem Dümmer. Der Dümmer beginnt mit einer Speicherung, die sich nicht nur im Schlamm sondern auch in den darunter liegenden Sedimentschichten anreichert. Daher wird von Seiten eines Teil der Wissenschaftler angezweifelt, dass eine Entschlammung kurzfristige Erfolge zeigen würde. Sie glauben, dass die darunter liegenden Sedimente die Schadstoffe freigeben, wenn die "Schutzschicht" Schlamm entnommen wird. Deshalb wird nur eine "moderate" Entschlammung empfohlen.

Nach übereinstimmender Ansicht der Wissenschaftler muß das Problem vor der Einleitung in den See gelöst werden, Ursachenvermeidung:

  1. Reduzierung der Einleitung durch Aktualisierung der gültigen Gesetze und entsprechende Durchsetzung und Kontrolle.
  2. Renaturierung der Hunte und ihrer Zuflüsse
  3. Bau des Schilfpolders.

Allgemeine Einschätzung der Situation:

Eine kurzfristige Verbesserung kann nicht erzielt werden. Erwartet wird eine sichtbaren Verbesserung der Wasserqualität in einem Zeitraum von bis zu 10 Jahren.

Wenn man bedenkt, dass das alles bereits am Anfang der 80ger Jahre bekannt war und von dem damaligen Gutachter Dr. Ripl als flankierende Maßnahme zur Bornbachumleitung gefordert wurde..........????

Alle bisherigen Landesregierungen, bestehend aus CDU-SPD-FDP-Grünen Politiker,
haben geflissentlich verniedlicht und verharmlost. Machen wir uns nichts vor, das Thema wird sicher von genau diesen Herrschaften als Wahlkampfthema genutzt und danach vergessen, wie in den 30 Jahren davor.

Es ist abenteuerlich, inzwischen wird alles mit dem Ökosiegel BIO als tolles Politikergebnis verkauft. Millionen gehen in die Intensivierung der Landwirtschaft und Biogasanlagen oder Erzeugung von Biosprit in der dritten Welt, was dort die Möglichkeiten der Selbstversorgung mindert. Gleichzeitig werden Steuergelder benutzt um die Sünden dieser Politik zu beseitigen. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, mit Hinweis auf die leeren Kassen, die Lösungen auf die Zukunft zu verschieben.

Der Gestank in der Dümmerregion und konzentriert in der Kreisstadt Diepholz wird sicher zu mehr als nur Protesten führen. Stuttgart 21 oder Fukuschima ist überall und anders als noch vor 50 Jahren werden sich die Anwohner nicht einfach mehr wegducken.

HaDi Hartmeier


"Blaualgen gefährden Existenzen" - Westfalenblatt vom 8.9.2011

Donnerstag, 08. September 2011. Von Dieter Wehbrink.

Wieder Badeverbote am See - Die Wut wächst: Anliegerkommunen verfassen Resolution - Schilfpolder gefordert

Hüde/Lembruch (WB). Die Fans des Dümmers sind entsetzt: Der See stinkt seit Wochen an einigen Stellen fürchterlich - vor allem dort, wo sich das Wasser an den Ufern in tiefgrellem Blau präsentiert. Die Blaualgen haben wieder zugeschlagen - eine Katastrophe für die Tourismusbranche.
Mehrfach - auch noch in den vergangenen Tagen - war die Algen-Konzentration so hoch, dass das Gesundheitsamt ein Badeverbot an den Stränden ausprechen musste. Blaualgen rufen Hautreizungen und allergische Reaktionen hervor. Werden sie mit dem Wasser verschluckt, drohen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Vor allem Kinder, die beim Baden häufiger mal Wasser verschlucken, sind gefährdet.
Wie giftig die Algen sind, hat in diesem Sommer auch ein Fischsterben im See gezeigt - was den Gestank am Deich noch penetranter werden ließ.
Zwar wurden die Badeverbote immer wieder vorübergehend aufgehoben, wenn der Wind den Algenteppich in Richtung Seemitte und somit weg von den Stränden getrieben hatte. Dennoch sind die Folgen für die Tourismusbetriebe dramatisch. Weil das Blaualgen-Problem seit Jahren zur Haupturlaubszeit auftritt und sich die Gäste massiv beschweren, haben die Samtgemeinde Lemförde sowie die Städte Diepholz und Damme eine Resolution mit folgenden Forderungen verabschiedet: Den Bau eines Großschilfpolders als biologisches Klärwerk, damit eine bessere Qualität des Dümmerwassers erreicht wird. Die Reduzierung des Nährstoffeintrages durch gesteuertes Flächenmanagement. zum Beispiel durch extensive Flächenbewirtschaftung des Einzugsbereiches und Ackerrandstreifenprogramme. "Diese Lösungsmöglichkeiten hat die Wissenschaft seit 1983 nachhaltig beschrieben", heißt es in der Resolution. Der zweitgrößte Binnensee Niedersachsens sei sowohl ökologisch als auch ökonomisch von herausragender Bedeutung. Deshalb müsse es vorrangige Aufgabe sein, die Wasserqualität zu verbessern, langfristig zu sichern und die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen.
Die Kommunen berufen sich auf die seit September 2000 in Niedersachsen geltenden Ziele für oberirdische Gewässer. So soll ein guter ökologischer und chemischen Zustand in 15 Jahren erreicht werden. Außerdem besteht ein Verschlechterungsverbot. Zwar erkennen Lemförde, Damme und Diepholz die vom Land unternommenen Sanierungsmaßnahmen - bisher 50 Millionen Euro - an. Dennoch müsse aus ökonomischer Sicht leider festgestellt werden, dass der erwartete Erfolg bisher ausgeblieben sei, heißt es. Im Gegenteil: "Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Zustand des Dümmers eher schlechter geworden ist."
Das massive Blaualgenvorkommen in den vergangenen Jahren habe zu vermehrten Warnhinweisen und Badeverboten geführt. "Fischsterben und ekelige Geruchsentwicklungen taten ihr übriges", beklagen die Resolutionsverfasser. "Massive Beschwerden der Gäste und der Touristiker über diese Ereignisse waren die Folge. Hinzu kamen Beschwerden über den zunehmenden Bewuchs, der die Sicht auf den See einschränkt, und die Zuckmückenplagen."
Die kritischen Äußerungen und die damit verbundene Unzufriedenheit nähmen von Jahr zu Jahr zu, beklagen die Anlieger-Kommunen. "Das führt im Ergebnis dazu, dass der Tourismus jetzt schon und insbesondere mittel- und langfristig erheblichen Schaden nimmt. Die erwartete Wertschöpfung ist gefährdet oder bleibt aus. Teilweise sind existenzbedrohende Situationen erreicht." Das bedeute, dass 450000 Übernachtungen, 450000 Tagesgäste, 20Millionen Euro Brutto-Umsatz und 335 Vollzeitstellen akut gefährdet seien.
"In dieser fast abgelaufenen Saison, insbesondere in der Hauptferienzeit in Niedersachsen und NRW, haben sich die Touristiker sehr häufig die Frage gestellt: ›Wo sind die Gäste?‹, heißt es in der Resolution. "Die Hauptzielgruppen, wie zum Beispiel Tagesgäste und Wassersportler, kehren dem Dümmer immer mehr den Rücken", sorgt sich auch Lemfördes Samtgemeindebürgermeister Ewald Spreen. "Und dies trotz des unermüdlichen Einsatzes vor Ort. Kostenintensiv werden die Folgen von Blaualgenwachstum und Fischsterben lokal beseitigt."
"Zur Belohnung" fänden parallel schwierige Verhandlungen mit dem See-Eigentümer wegen Pachterhöhungen statt, obwohl sich aus Sicht der Betroffenen das "Pachtobjekt" sich in keinem adäquaten Zustand befände.


Keine schnelle Lösung gegen Blaualgen am Dümmer in Sicht

02.09.2011 · OS Radio 104,8 · Marcus Oberholthaus

"Die Menschen am Dümmer müssen noch länger auf Hilfe gegen die Blaualgenplage warten. Bei einer Gesprächsrunde in Lembruch haben die niedersächsischen Staatssekretäre aus dem Landwirtschaft- und Umweltministerium, Ripke (CDU) und Birkner (FDP), keine schnelle Lösung in Aussicht gestellt. Kurzfristig sei nur möglich, 100.000 Euro zu investieren, um einen Großschilfpolder zu erforschen. So ein Polder soll helfen, den Zufluss von Giften in den Dümmer zu stoppen. Ihn zu bauen, würde etwa 20 Millionen Euro kosten.

Wegen der Blaualgen sind in den vergangenen Jahre im Dümmer Tausende von Fischen gestorben. Außerdem kommen nach Angaben von Gastwirte und Pensionsbetreibern immer weniger Touristen an den See..."


Konzertierte Aktion - Blaualgen

Kurzfristig hatte der Landesseglerverband Niedersachsen zu einer Konzertierten Aktion aufgerufen und zum 30.08.2011 abends eingeladen.

Wie groß das Interesse und Engagement der Dümmervereine in Bezug auf die vorherrschende Situation ist, spiegelte sich in der Teilnehmerzahl wieder. So waren fast ausnahmslos alle 1. Vorsitzenden der Vereine anwesend oder hatten entsprechende Vertreter entsandt. Herr Döscher als 1 Vorsitzender des Verbandes war mit einem Aufgebot von 3 weiteren Vorstandmitgliedern angereist. Ein herausragendes Engagement für unsere Dümmer-Problematik.

Diese Abendveranstaltung war produktiv und effektiv. So werden alle Vereine In Einzelschreiben mit gleichem Tenor und Anliegen alle Institutionen und Behörden anschreiben und zum Handeln auffordern. Schon heute liegt das Grundgerüst für jeden Verein - verfasst von Herrn Döscher - vor. Ein Adressen-Katalog soll schnellstens folgen.

Die Vereine warten den heutigen Donnerstags-Termin (01.09.2011) ab. Hier soll in Lembruch ein Maßnahmen-Katalog seitens "hoch dekorierter" Regierungsvertreter vorgestellt werden.
Diese Aktion des SVN gegen Blaualgen und Verschlammung gemeinsam zu kämpfen ist absolut begrüßenswert und führt hoffentlich mit gemeinsamer Arbeit zum Erfolg.

Cornels Latsch


WDR TV-BEITRAG zum Thema Blaualgen

Am Montag ist im WDR Fenrsehen ein TV Beitrag vom Dümmer und den Blaualgen gesendet worden.

Es ist Hauptsaison und die Urlauberzahlen gehen zurück, die Wasserqualität ist schlecht, der Wasserstand sinkt und das Fischsterben hat ebenfalls eingesetzt. Immer mehr Gülle landet auf Umwegen im Dümmer, dank Massentierhaltung und Biogasanlagen. Der Dümmer stinkt!

Wann werden die Verantwortlichen endlich wach? Oder wird der schleichende Verlust des Naherholungsgebietes Dümmer schlichtweg in Kauf genommen?

Hier der Link zum WDR-Beitrag...

Thomas Schöppy


Das langsame Siechen der Dümmerregion August 2011
- oder wie der Staat seine Aufgaben vernachlässigt

Erst sterben die Fische dann der Tourismus. Seit Jahrzehnten sinkt kontinuierlich die Lebensqualität der Dümmerregion. Die Umsetzung von Studien- und Untersuchungsergebnissen werden mit langjährigen Verzögerungen begonnen und halbherzig durchgeführt. Hoffnungen auf eine Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie wurden bislang nicht erfüllt. Die Behörden feiern sich mit Umleitung des Bornbaches und weisen darauf hin, dass damit langfristig das Problem des Dümmers reduziert werde ("Der Erfolg wird in 5 bis 10 Jahren messbar") . Die ursprüngliche Planung eines Schilfpolders als "Vorfilters" der Hunte im Zuflussbereich, parallel zur Bornbach Umleitung, plus Schlammentnahme wurde "als Überflüssig" gestrichen.

"Die EU-Mitgliedsstaaten werden in der Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet, spätestens bis zum Jahr 2015 einen "guten ökologischen Zustand" für alle Oberflächengewässer und einen "guten mengenmäßigen und chemischen Zustand" für das Grundwasser zu erreichen. Der "gute ökologische Zustand" der Oberflächengewässer ist in erster Linie auf die Vielfältigkeit vorhandener Pflanzen- und Tierarten ausgerichtet, vorausgesetzt wird dabei eine naturnahe Gewässerstruktur und die Einhaltung chemischer Emissions- und Immissiongrenzwerte. Gemäß dem "guten mengenmäßigen Zustand" des Grundwassers dürfen Wasserentnahmen die Grundwasserneubildungsrate nicht überschreiten. Der "gute chemische Zustand" des Grundwassers ist gegeben, wenn die Schadstoffkonzentrationen die geltenden Qualitätsnormen nicht überschreiten und die anthropogene stoffliche Belastung nicht zur signifikanten Schädigung von Oberflächengewässern oder Feuchtgebieten führt."( siehe www.nlwkn.niedersachsen.de)

Offenbar ist der Dümmer, die Hunte und andere Ab- und Zuflüsse von dieser europäischen Vorgabe nicht betroffen. Seit Jahren ist allen betroffenen Behörden bekannt, dass der Dümmer unter der Algenplage leidet. Die über Jahrzehnte eingeleiteten Phosphat- und Nitratfrachten, die aus dem über 400qkm großen Einzugsgebiet dem Dümmer und seinen Be- und Anwohnern "zu Gute kommen" werden nicht nur gespeichert, sie wächst kontinuierlich. Der Unrat aus dem Einzugsbereich des Dümmers erwürgt die die Seebewohner.

Foto M.Holy

Die Meldungen der regionalen Tageszeitungen über das Desaster des Massensterbens der Fische wird ausgesessen. Fischleichen abschöpfen, beseitigen und Ruhe bewahren??? Die Zukunft der vom Tourismus lebenden Anwohner sieht trübe aus. Offensichtlich wird in den Amtsstuben davon ausgegangen, dass der deutsche Untertan, wie zu Kaisers Zeiten Stille bewahrt und die Entscheidungen des Beamtenadels geduldig erträgt.

Anders als zu Kaisers Zeiten, sollten nationale oder europäische Gerichte Verantwortlichkeiten auch als solche erkennen und entsprechende Regeln umsetzen. Die Wasserrahmenrichtlinie wurde bereits 2002 von der Bundesregierung und den Ländern in der Gesetzgebung aufgenommen. Nun sind wir in der Pflicht dafür Sorge zu tragen, dass sie umgesetzt wird.

HD Hartmeier

 

Aktuell: Norbert Nowack zur Blaualgenplage


Thema: Ursache und Wirkung des Dümmerschlamms

Mit der endgültigen engen Eindeichung des Dümmersees nach dem 2. Weltkrieg verlor der See seine Fähigkeiten zur Selbstreinigung. Bis zu dieser Eindeichung konnte sich der See bei den Herbst- und Frühjahr-stürmen aus westlichen Richtungen, über die angrenzenden Wiesen und Felder seiner abgestorbenen biologischen Pflanzenreste entledigen.
Wiesen und Felder wurden auf natürlicher Basis gedüngt und der Dümmer gereinigt. Die Überflutungsgebiete reichten bis an die Hüder Dorfstraße und weiter nördlich fast bis an die heutige Bundesstr. 51.

Nach der Eindeichung begann die Überdüngung des Sees mit Phosphaten und einem Kreislauf der uns Jahr für Jahr nervt: Mückenschwärme und Algenwachstum mit möglichen Badeverboten und stinkenden Algenteppichen. Nicht zu vergessen: auch der schleichenden Verlandung unseres Dümmers.

Die Phosphatüberdüngung fördert das Algenwachstum diese sterben ab und lagern sich als Schlamm im See ab. Dieser Schlamm bildet eine Wohnstätte für unzählige Kleinstlebewesen unter anderem für die Zuckermückenlarven, von denen ca. 10 000.pro qm in U-Förmigen Wohnröhren leben. Ihre Leistung ist beträchtlich. So eine Größen-ordnung pumpt ca. 1 cbm Wasser pro Tag und filtert die Phosphate in schwerlöslicher Form im Schlamm, wo sie konzentriert abgelagert werden. Im Laufe des Sommers gehen diese Schlammablagerungen in einen stark sauerstoffarmen Zustand über, in dem sich bestimmte Bakterien austoben können. Gleichzeitig werden wir in unseren Häfen und am Deich von den Zuckermücken beglückt.

Mit Hilfe der abgestorbenen Algenmasse setzen Bakterien die stinkenden und giftigen Schwefelwasserstoffe, die zuvor gebundenen Phosphate und nebenbei auch das Treibhausgas Methan frei. Die Blaualgen sind keine Algen sondern ursprünglich Cyanobakterien die von dieser Algenmasse "gefüttert" werden. Nach ihrem Aufschwemmen und Austrocknen bildet sich die bläuliche Farbgebung und der schwefelige Gestank. Achtung diese "Blaualgenmasse" ist hochtoxisch.

Mit der Phosphatfreigabe beginnt der Kreislauf auf "höherem Niveau". Das Phosphat ist als Energiestoffwechsellieferant der Algendünger schlechthin: 1g Phosphat erzeugt ca. 100 kg Algenmasse !!! Der Start für den Kreislauf der kommenden Algen- und Mücken-Saison.

Interessanterweise liegen die Schlammfrachten mehrheitlich auf der Westseite des Dümmers sowie in den nördlichen und südlichen Gebieten.. Durch die vorherrschenden Westwinde wird eine Unterströmung in entgegengesetzte Richtung also von Ost nach West erzeugt. Verlierer sind wir alle, Anwohner, Segler und Besucher..

Sicher ist, dass die Selbstreinigungskräfte des Dümmers alleine keine Chance gegen diese biologischen Prozesse haben. Vorrangig ist sicherlich die Entschlammung in den besonders betroffenen Gebieten im Süden und Nordwesten des Sees. Langfristig könnten jedoch die Rücknahme des Deiches im Bereich der Hohen Sieben und ein vorgelagertes Schilfpolder im Einzugsgebiet der Hunte zur die Reduzierung der Phosphateinträge und damit für einen gesunden Dümmer beitragen.

Hans-Dieter Hartmeier


Die Umweltvereinigungen am Dümmer

Naturschutzring Dümmer e.V. (NARI)

Der Naturschutzring Dümmer arbeitet seit 1993 am Dümmer. Er ist eine Gründung von drei Naturschutzorganisationen, Mellumrat, BUND Dümmer und Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems. Sein Augenmerk liegt im ornithologischen Bereich. Alle Umweltschutzmaßnahmen werden aus Sicht der Vogelkundler begründet. Unter diesen Gesichtspunkten wurden u.a.die Befahrensverbote (Winter und Nacht) erteilt, Wanderwege behindert, Schilfschneiden und landwirtschaftliche Aktivitäten im Ochsenmoor unterbunden bzw. stark eingeschränkt. Bis 2009 war er der einzige Umweltverband am Dümmer, der für seine Projekte staatliche Unterstützung finanzieller und regulatorischer Art erhielt.
Viele der Gebote und Verbote seitens des Landkreises wurden mit der Begründung "Forderung des Naturschutzes" festgesetzt.
U.a. wurde der geplante Wanderweg auf dem Huntedeich zum Schäferhof mit der Begründung "das aufrechte Gehen des Menschen verschreckt die Vögel" abgelehnt und stattdessen wird ein Fahrradweg (für 800 000 € !) an der Kreisstraße bis zum Schäferhof gebaut.

Interessengemeinschaft Dümmer (IGD)

Die Interessengemeinschaft entstand als Antwort auf die Forderungen des NARI ebenfalls 1993. Heimatverbände, Segelvereine, die Wettfahrgemeinschaft und viele Privatpersonen gründeten diesen Verein, um Natur und Umwelt, sowie Segelsport und Tourismus miteinander zu verzahnen. Angebote bezüglich eines entkrampfteren Umgang wurden seitens des NARI generell abgelehnt. Die IGD setzt sich insbesondere für eine Verbesserung des Wasserqualität, Deichsicherungsmaßnahmen und ausgebaute Wander- und Fahrradwege ein.

Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer e.V. (NUVD)

Die Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer wurde 2009 gegründet. Inzwischen haben sich verschiedene Verbände der Vereinigung angeschlossern, u.a. der niedersächsische Landvolkverband, die Wettfahrgemeinschft und auch die Interessengemeinschaft Dümmer. Ziel der NUVD ist die Einbindung der Anwohner in eine umfassende Umweltschutzarbeit um einen nachhaltigen Natur- und Umweltschutz zu gewährleisten.
Schwerpunkte dabei sind entsprechend der vertraglichen Absprachen mit dem Land Niedersachsen u.a. neben Wiedereinführungskampagnen für Biber, Fischotter und Eulenarten insbesonders Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

Inzwischen haben NARI und NUVD Teilverträge mit dem Land Niedersachsen. Ihre Büros sind in der Naturschutzstation Hüde und die wissenschaftlichen Mitarbeiter beider Verbände werden von der zuständigen Naturschutzbehörde NLWKN gesteuert. Die Forderung der Landesregierung für eine gemeinsam abgestimmten Zusammenarbeit dieser beiden sehr unterschiedlichen Ansätze ist bestimmt löblich. Zweifel daran, dass sich diese beiden Ansätze miteinander vereinbaren lassen sind deshalb angebracht.

Allein das Thema Wasserqualität birgt bereits kritische Reibungspunkte:

  • Nach Auffassung des NARI sollte der Schlamm nicht entnommen werden sondern in der Nordbucht gesammelt werden um dort eine Flachwasser- bzw. Verlandungszone anzulegen. Dort könne man dann auch mit der Wiederanpflanzung von Schilf beginnen. Abgesehen davon ist aus Sicht des NARI die Verlandung des Dümmers eine besondere Chance für den Aufbau eines besonderen Vogelreservates. Touristen und Segler sind aus ihrer Sicht Störer.
  • NUVD und IGD sind sich darin einig, dass der Schlamm dringend entfernt werden muß. Der Schlamm ist die Hauptursache für die Mückenpopulation und Blaualgenbildung, die durch die Sauerstoffbindung auch für das jährliche Fischsterben insbesondere auch in den abgehenden Flüssen (Lohne, Hunte und Grawiede) verantwortlich sind.

Letztendlich ist Umweltschutz immer auch mit Einschränkungen unserer bisherigen Lebenskultur verbunden. Wäre diese Kultur nicht so wie sie ist, wäre Umweltschutz vielleicht nur ein geringes Thema. Die Frage ist jedoch, ist Umweltschutz gegen die Betroffenen sofort und prinzipiell durchsetzbar oder werden die Betroffenen Träger eines schrittweise erarbeiteten Wissens und damit auch Bewahrer von Natur und Umwelt.
Sicher ist nur eines, die Politik entscheidet üblicherweise für den billigen und einfachen Weg. Die Verlandung des Dümmers ist sicher preiswerter als der Schutz eines Sees mit der Vielfalt seinen Pflanzen und Tiere.

Hans-Dieter Hartmeier